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„Sensibilisierung für Zivilcourage an Schulen“

Oberschule am Waller Ring – Bremen (Bremen)

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Name: Oberschule am Waller Ring

Telefon (Schule): 0421 - 3615630

Hintergrund:

In der Schule kommt es sowohl im Unterricht als auch in den Pausen immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten und Konfliktsituationen zwischen den Schülerinnen und Schülern. Verbale Verfehlungen, Beleidigungen, Bedrängungen, Nötigungen, aber auch körperliche Übergriffe gehören heutzutage in vielen Schulen zum Alltag und stellen Lehrkräfte vor eine besondere Aufgabe.

Solche Störungen und Übergriffe produzieren eine Unruhe und bewirken, dass das Sicherheitsgefühl der Unbeteiligten, aber auch der unmittelbar Beteiligten beeinträchtigt werden kann. Oftmals zeigen die aus diesen Situationen hervorgegangenen Opfer in der Folge von Gewalt und Unterdrückung ein starkes Vermeidungsverhalten, leiden unter Angst und fürchten sich vor eventuellen neuen Vorfällen.

Nachdem die Schule am Waller Ring mehrere Jahre Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit solchen Situationen geschult hatte, wurde die Schulung 2012 auf die Schülerinnen und Schüler ausgeweitet. Seitdem führt die Schule die Ausbildung AufsichtsInterventionsTeam (AIT) in Zusammenarbeit mit dem diba-Institut für Gewaltprävention durch. Kooperationspartner bei diesem Projekt ist neben der diba auch der Träger Sozialpädagogische Familien- und Lebenshilfe (Sofa e.V.), die im Vorfeld der AIT-Ausbildung mit einem speziell entwickeltem Spiel für Zivilcourage sensibilisieren.

Die Kooperation zwischen der Schule und dem diba-Institut besteht bereits seit einigen Jahren. Das diba-Institut für Gewaltprävention führt seit über 20 Jahren Schulungen zur individuellen Befähigung in Emotions-, Konflikt- und Krisensituationen durch. Durch die Vermittlung gezielter Unterstützungen in Nothilfesituationen kann zivilcouragiertes Handeln gefördert und eine Steigerung der sozialen Verlässlichkeit in der Gruppe geschaffen werden.

Projektschritte und Beteiligte:

Die Akquise der Schülerinnen und Schüler für das Projekt AufsichtsInterventionsTeam (AIT) hatte zu Beginn des Schuljahres durch die Schulsozialarbeiterin der Schule stattgefunden. Bei der Auswahl wurde auf Freiwilligkeit, Interesse an dem Projekt, Bereitschaft zum langfristigen Mitwirken an der Schule sowie eine vom Veranstalter des diba-Institut notwendige charakterliche Eignung geachtet. Bei der Teilnahme der Lehrkräfte wurde auf eine möglichst homogene Gruppe geachtet. An der einwöchigen Ausbildung nahmen 16 Schülerinnen und Schüler des 8. Jahrgangs, sowie 15 Lehrkräfte aus dem Kollegium der Oberschule am Waller Ring teil. Inhaltliche Schwerpunkte der Ausbildung waren: empathische Gesprächsführung, konfrontative Gesprächsführung, Selbstschutzstrategie und Notfallstrategien. Diese Themen wurden bei der zweitägigen Nachschulung intensiv wiederholt und gezielt an eigens benannten Schwachstellen reflektiert und in der richtigen Vorgehensweise gestärkt.

Die Aufsicht gehört zu den dienstlichen und pädagogischen Aufgaben und zur Fürsorgepflicht der Lehrkräfte gegenüber den ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schülern. Die Aufsichtspflicht über das Kind ist ein wesentlicher Bestandteil der Personensorge der Erziehungsberechtigten und wird während der Schulzeit auf die Lehrkräfte übertragen. Die Aufsicht muss dabei kontinuierlich, aktiv und präventiv sein. Da eine Lehrkraft nicht jeden einzelnen Schüler ständig im Auge behalten kann und die individuelle Belastbarkeit im Hinblick auf die jeweiligen Aufsichtsbereiche und -situationen zu bedenken ist, können auch Schülerinnen und Schüler als geeignete Hilfskräfte zeitweise mit Aufsichtsaufgaben betreut werden. Diesen Gedanken greift das Projekt AIT auf und ermöglichte es, Konflikte in den Pausen schneller zu lokalisieren und professionell zu lösen. Durch die aktive Aufsicht der Teams wird der Einzelne entlastet und die Zusammenarbeit zwischen Schülerschaft und Lehrkräften gestärkt. Schülerinnen und Schüler wie auch die Lehrkräfte erhielten ein Repertoire an Deeskalationsmethoden und Selbstverteidigungselementen.

Kosten:

Für die Durchführung des Projektes fielen hauptsächlich Kosten für die Referenten des diba-Instituts an.

Ausblick:

Die Ausbildung AIT soll mit ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag die moralische Grundeinstellung und Bürgerpflicht für ein zivilcouragiertes Handeln in der Schule und im Alltag fördern. Diese Ausbildung ist ein fester Bestandteil der sozialen Lerneinheiten an der Oberschule am Waller Ring und soll in den kommenden Jahren beibehalten werden.

Die Situation in den Pausen ist deutlich entspannter und konfliktärmer geworden. Die AITs werden von allen Schülerinnen und Schülern gut wahr- und angenommen. Kleinere Konflikte können dadurch bereits im Entstehen geschlichtet werden und alle Schülerinnen und Schüler fühlen sich geschützt und unterstützt.

Das von der Schulleitung geprägte gemeinsame solidarische Handeln zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und zum Schutz vor gewalttätigen Übergriffen, ist somit ein aktiver Beitrag zur Entwicklung der Schule und Förderung der konstruktiven Konfliktkultur. Ein positiver Nebeneffekt bei allen ausgebildeten Schülerinnen und Schülern ist die Stärkung des physischen und psychischen Selbstbewusstseins. Allein das Wissen über sukzessive Eskalationsstufen und den bewussten Einsatz der Stimme, Betonung und Körperhaltung in den einzelnen Situationen vermittelt den Projektbeteiligten Sicherheit.